Kreative Methoden… Logos auf den Kopf gestellt

Die Kopfstand-Technik

… ist eine Umkehrmethode (nach de Bono), die ganz bewusst einen Perspektivenwechsel herbeiführt.
Eine vorgegeben Aufgabenstellung wird auf den Kopf gestellt, ins Gegenteil gekehrt, negativ formuliert.
Es ist quasi ein Freifahrtschein für Destruktivität. Wer genießt es nicht von Zeit zu Zeit einmal bewusst das Gegenteil von dem zu machen, was eigentlich gemacht werden sollte.

Ziel der Kopfstandtechnik ist, eingetretene, routinierte Pfade zu verlassen, den Denkrahmen zu erweitern und völlig neue Horizonte zu eröffnen.

Diese Technik eignet sich gut für kleine Gruppen, alleine geht es auch, wenn man etwas geübt ist.)
Material: z. B. Wandplakat, Flipchart, Whiteboard etc. und Stifte

Wie geht die Kopfstandtechnik nun konkret?

  1. Den Ist-Zustand definieren und ein Ziel festlegen
  2. Die Aufgabenstellung umdrehen bzw. negativ formulieren
    Dazu werden Ideen gesammelt und visualisiert
  3. Zu jeder „Umkehridee“ konstruktive Lösungen sammeln, indem
    die Fragestellung wieder ins Positive umgekehrt wird.

Nutzen wir die Kopfstandtechnik anhand des Beispiels Logo-Entwicklung für einen Kunden?
Ziel: Entwicklung eines Logos (präziser einer Wort-Bildmarke) für das Unternehmen X.

Dann stellen wir die Aufgabenstellung mal auf den Kopf…

Was muss ich tun, um ein richtig grottenschlechtes Logo zu entwickeln, das so gar nicht für das Unternehmen X steht, null Wiedererkennbarkeit hat und auf keinen Fall von der Zielgruppe erfasst wird?

  • Das Logo sollte auf keinen Fall erkennbar und einprägsam sein.
    Abstraktion und Vereinfachung unbedingt vermeiden.
    Also möglichst viele filigrane, Elemente, Farben und Formen verwenden, die sich schön überlagern und einen Formfarb-Brei ergeben.
    Frei nach dem Motto: „Mehr ist mehr“

  • Am besten etwas kopieren, was es schon gibt und minimal oder gar nicht abwandeln –
    bevorzugt von einem Mitbewerber…
    In jedem Fall gar keine Wiedererkennbarkeit, Eigenständigkeit und Präsenz am Markt erzeugen.

  • Dafür sorgen, das es nicht verwendet werden kann für die entsprechenden Medien (Anzeigen, Plakate, Web etc.)
    In der Anzeigenwerbung sollte es auf keinen Fall in kleiner Form und in Schwarz-Weiß funktionieren.
    Bei Großformatdrucken sollte das Logo unbedingt klein und unscheinbar wirken, damit andere Firmen präsenter sind.

  • Ganz bewusst für Verwechslung, Verwirrung und undefinierte Aussagekraft sorgen

  • Bei der Schriftauswahl ganz gezielt Schriften einsetzen, die nicht lesbar sind und keinen eigenen Charakter haben

  • Die Corporate Identity des Unternehmens X auf gar keinen Fall berücksichtigen und dazu bloß keine Fragen stellen.
    Nicht langfristig denken oder planen und niemals ein ganzheitliches Konzept für z. B. ein Corporate Design erstellen.
    Einfach wild drauflos gestalten und sich richtig schön austoben – nix Strategie, Konzept und so.

    … alle weiteren wichtigen Aspekte ergänzen wir im Geiste.

Und nun wieder „umgekehrt“… Konstruktive Lösungen und gezielte Fragestellungen

  • Das Logo sollte klar erkennbar und einprägsam sein.
    Wie kann die Form des Logos so vereinfacht und abstrahiert werden, dass sie dieses Ziel erreicht?
    Wie können Farben bei der Logoentwicklung wirkungsvoll und prägnant eingesetzt werden?
    Welche Elemente sind wichtig, welche können weggelassen werden?
    (Die Kunst der Reduzierung auf die spezifischen Merkmale)

  • Wie kann Eigenständigkeit am Markt betont werden?
    Wie sehen die Logos von Mitbewerbern aus? (Farb- und Formgebung etc.)

  • Welche Einsatzbereiche gibt es beim Logo des Unternehmens X gezielt zu berücksichtigen?
    Funktioniert das Logo in kleinster Größe und in Schwarz-Weiß ebenso in groß?

  • Transportiert das Logo die spezifischen Merkmale des Unternehmens X?
    Wird das Logo von der Zielgruppe erfasst?
    Gibt es genügend Unterscheidungsmerkmale zu Mitbewerbern?
    Ist das Logo prägnant in Form, Farbe, Typografie?
    Ist das Logo in dieser Form authentisch?

  • Ist die Typografie insgesamt stimmig (Lesbarkeit, Eigenständigkeit, Kongruenz von Wort und Bild etc.)
    Passt die Schrift zum Logo?
    Unterstreicht die Schriftauswahl den Charakter des Unternehmens X?

  • Gibt es Corporate Identity-Richtlinien oder bereits ein Corporate Design-Konzept?
    etc.…

(Alle weiteren wichtigen Fragen stellen wir jemandem, der diese Fragen gerne beantwortet - mir zum Beispiel)


Das war nun die Kopfstandtechnik in der Anwendung…
Nach individuellem Bedarf kann diese sehr differenziert eingesetzt werden. Je präziser die Fragestellung ist, umso genauer sind die Antworten bzw. verläuft der kreative Prozesses in der Ideenfindung, der Analyse- und Umsetzungsphase.

Ich persönlich mag diese Form des Auf-den-Kopf-Stellens sehr gerne. Weil es auf diese Weise oft leichter fällt, bestimmte Aspekte zu berücksichtigen oder zu hinterfragen, wenn vom negativen Fall ausgegangen wird.
(P. S. Die Übung eignet sich auch für gestaltungsfreudige Optimistien.)

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